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Erweiterung Bündner Kunstmuseum

Der als Teil des Bündner Kunstmuseums fungierende Sulser-Bau in Chur.

Gemäss den Museumsverantowrtlichen platzt das Bündner Kunstmuseum aus allen Nähten; wegen der akuten Raumnot kann nur ein kleiner Teil der wertvollen Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert gemacht werden. Der Bündner Heimatschutz anerkennt den Erweiterungsbedarf des Hauses und erachtet die Konzentration des Museumsbetriebs im Churer Stadtzentrum als sinnvoll. Das Festhalten am gegebenen Standort bringt zwangsläufig die Diskussion um Abbruch oder Erhalt des Sulser-Baus mit sich, der seit 1982 dem Kunstmuseum angegliedert und durch eine filigrane Passerelle mit dem Haupthaus der Villa Planta baulich verbunden ist.

Der zwischen 1927 und 1929 als „Bündner Naturhistorisches und Nationalparkmuseum“ erbaute Sulser-Bau ist unzweifelhaft als schützenswertes Baudenkmal zu qualifizieren. Er gehört zu den ganz wenigen Beispielen einer neuklassizistischen Architektur in Graubünden und besticht durch seine subtil abstrahierende Bezugnahme zur historistischen Villa Planta. In seiner qualitätsvollen Ausgestaltung kommt ihm auch im nationalen Vergleich ein besonderer Stellenwert innerhalb des Baugeschehens der Zwischenkriegszeit zu. Architekturgeschichtlich bedeutsam ist er zudem als Bau der namengebenden Architekten Emil und Walther Sulser, die in Chur selbst für eine Reihe wichtiger Werke in der Phase zwischen Heimatstil und Neuem Bauen verantwortlich zeichnen. Von der Rhätischen Bahn in Auftrag gegeben, stellt er zudem ein interessantes Zeugnis des Mäzenatentums jener Bahngesellschaft dar, zu deren Verwaltungsgebäude es in unmittelbarer Nachbarschaft steht.

Ein Abbruch des architektur- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Sulser-Baus wäre sehr zu bedauern. Rechtfertigen liesse er sich nur, wenn allein dadurch eine sinnvolle Erweiterung des Museums gewährleistet wäre. Die Schwierigkeit, den Sulser-Bau in eine Erweiterung zu integrieren, hat die vom kantonalen Hochbauamt in Auftrag gegebene und vom BHS eingesehene Machbarkeitsstudie aufgezeigt. Der BHS begrüsst daher, dass beim laufenden Projektwettbewerb die Frage nach Abbruch oder Erhalt des Sulser-Baus offen gelassen wird und die teilnehmenden Architekturbüros so indirekt zu einer Auseinandersetzung mit der Problematik aufgefordert sind. Bedauert wird allerdings, dass unter den 18 Planungsteams, die in der Präqualifikation ausgewählt wurden, nur gerade drei regionale Büros vertreten sind und die jüngere Generation von Bündner Architekten gar keine Berücksichtigung fand. Nach Meinung des Bündner Heimatschutzes sollte bei der Erweiterung des Bündner Kunstmuseums weniger die Produktion spektakulärer „Weltklassearchitektur“ im Vordergrund stehen, wie von verantwortlicher Seite auch schon verlautet, sondern die Rücksichtnahme auf den Kontext und das angemessene Einfühlen in eine städtebaulich hochsensible Situation.

 

 


 

 
Die Passerelle, die den Sulser-Bau mit der Villa Planta verbindet.



 
Stellungnahme BHS

Bericht Südostschweiz

Bericht Bündner Tagblatt








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Letzte Aktualisierung
11:30:31 18.03.2015
 
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