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Der Erbauer: Nicolaus Hartmann

Projektverfasser der 1924/25 erstellten Dalvazzabrücke ist das Baugeschäft Nicolaus Hartmann & Cie. aus St. Moritz. Kreisförster Flury und Ingenieur Solca sind mit der Bauleitung betraut. Welcher Ingenieur bei Hartmann & Cie. die statischen Berechnungen anfertigte, ist nicht bekannt.

Nicolaus Hartmann (1880-1956) ist der bedeutendste Bündner Architekt des frühen 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1900 bis 1903 bei Theodor Fischer in Stuttgart, wo er mit der nationalromantischen süddeutschen Architekturschule vertraut wurde. Die freie Übernahme und Kombination regionaler Motive und Bautypen ist ein durchgehendes Merkmal seiner Bauten. Er scheute sich aber auch nicht, neuzeitliche Konstruktionsweisen einzusetzen. So verwendete er beim Museum Engiadinais in St. Moritz (1906) aussen eine dreibogige Laube, die genau derjenigen der historischen Chà Gronda in Scuol entspricht; innen ist der weitgespannte Sulèr mit einem Gewölbe in Eisenbeton überspannt. 

Beispiele seines sehr umfangreichen Schaffens sind das ausdrucksstarke Direktionsgebäude der Rhätischen Bahn in Chur 1907 und das Segantinimuseum in St. Moritz 1906. 
Früh gelangt Hartmann in Kontakt mit Bauten der Technik: 1907 erstellt er das Maschinenhaus des Kraftwerks Lenzerheide, das in Volumen und Detailausbildung Anklänge an frühindustrielle Gewerbebetriebe aufweist. 
1913 entwirft er für die Rhätische Bahn die Umformerstation in Bever, die die Versorgung der ersten mit Wechselstrom elektrifizierten Hochgebirgs-Vollbahn sicherstellt. 
Nach dem Gewinn eines Architekturwettbewerbs für die Gestaltung der Kraftwerkzentrale Küblis, entwarf Hartmann in der Folge alle Hochbauten der Bündner Kraftwerke AG im Prättigau. Ein Hauptwerk dabei ist die Kraftwerkzentrale Küblis (1920-22), die laut Kraftwerkgesellschaft die grösste und schönste Anlage ihrer Art werden sollte. In der „kubischen Masse des rätoromanischen Hauses“ sind die Turbinen und Schaltanlagen untergebracht, vertraute Bilder werden evoziert, wie der Vergleich der Eingangssituation in Küblis mit derjenigen der Kirche S. Maria di Poschiavo bezeugt. Die rasa-pietra vermauerten Steinfassaden kontrastieren mit gezielt eingesetzten Scrafitti-Elementen und hölzernen Dachvorsprüngen. Im Innern herrscht eine sakrale Stimmung, hervorgerufen vor allem durch die Proportionen, die Lichtführung und die Materialisierung des Maschinensaals.

Hartmann unternahm zusammen mit Paul Bonatz, wie er ein Fischer-Schüler, eine Studienreise nach Skandinavien. In der Folge pflegte Hartmann regen Kontakt mit Ragnar Östberg aus Stockholm. In einem Vortrag stellte er dessen Stockholmer Stadthaus seinen SIA-Kollegen vor. Paul Bonatz war verantwortlich für die architektonische Gestaltung der Brücken der deutschen Reichsautobahnen und es ist gut möglich, dass er Hartmann mit dem Trägersystem des Belgiers Arthur Vierendeel bekannt machte

Die Dalvazzabrücke:
Der Erbauer: Nicolaus Hartmann
Der Erfinder: Arthur Vierendeel
Die Architektur der Dalvazzabrücke
Die Instandhaltung der Dalvazzabrücke

Weiterer Beitrag zu diesem Thema:
Bündner Heimatschutz lässt Instandsetzungskonzept für die Landquartbrücke Dalvazza erarbeiten




Dalvazzabrücke im Bau 1925


Kraftwerkzentrale Küblis, erbaut 1922 (Architekt Nicolaus Hartmann)

Maschinenhalle in Küblis


Zentrale Klosters, erbaut 1925 (Architekt Nicolaus Hartmann)

Zentrale Schlappin, erbaut, 1927 (Architekt Nicolaus Hartmann)


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Bündner Heimatschutz
Dalvazzabrücke
7000 Chur
 
 
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Letzte Aktualisierung
17:17:35 21.02.2008
 
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