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Studie für den Wiederaufbau der Wiesner Alp

Eine Brandkatastrophe hat auf der Wiesener Alp 14 der etwa 40 Hütten zerstört. Es handelt sich um eine der bedeutendsten und schönsten Alpsiedlungen im Kanton überhaupt. Wie in einem solch aussergewöhnlichen Fall der Wiederaufbau in einer Erhaltungszone geschehen soll, ist eine emotionale Angelegenheit und auch eine rechtlich und baulich delikate Frage. Der Bündner Heimatschutz lässt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wiesen, involvierten betroffenen Eigentümern, regionalen Holzbaufachleuten, den Ämtern der Denkmalpflege und der Raumentwicklung eine Studie erarbeiten, damit gestalterische Richtlinien für den Wiiederaufbau definiert werden können.


Bündner Tagblatt 15.4.2008:
Gemeinde Wiesen stellt sich hinter Heimatschutz

«Wir sind der Auffassung, dass es nicht angeht, etwas zu verurteilen, bevor man überhaupt weiss, was es ist.» Mit solch klaren Worten setzt sich die Gemeinde Wiesen gegen ein grosses Inserat zur Wehr, in dem sich ein Komitee «'Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil' - Heimatschutz so nicht!» über die Torpedierung des Wiederaufbaus der Wiesner Alp durch den Bündner Heimatschutz nach dem Brandinferno vom 11. November ärgert. Das Komitee wirft dem Bündner Heimatschutz vor, über das Instrument des Verbandsbeschwerderechts einen sinnvollen Wiederaufbau einer der schönsten Alpen der Schweiz und die Instandstellung eines geschädigten Kulturguts zu verhindern.
Die Gemeinde erklärt nun, dass dies nicht richtig sei. Die Gemeinde und die von ihr ins Leben gerufene Kommission für einen sinnvollen Wiederaufbau der Wiesner Alp seien gemeinsam mit dem Heimatschutz auf dessen Kosten daran, die bestmögliche Lösung zu erarbeiten, die im Mai in Wiesen vorgestellt und öffentlich diskutiert wird. (don)



Entgegenung der Gemeinde Wiesen auf das Inserat «Bündner Heimatschutz torpediert den Wiederaufbau der Wiesner Alp!» im BT und in der SO vom 11. April:
Charakter der Hütten in Gegenwart übertragen

In der Ausgabe vom 11. April der «Südostschweiz» und des  «Bündner Tagblatts» erschien ein halbseitiges Inserat mit dem Titel «Bündner Heimatschutz torpediert den Wiederaufbau der Wiesner Alp!». Verfasser dieses Inserates ist Architekt Thomas Palmy, der mit Komitee «Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil - Heimatschutz so nicht!» signiert hat.
Thomas Palmy, selber Eigentümer einer abgebrannten Alphütte und Mitglied der  «Kommission für einen sinnvollen Wiederaufbau der Wiesner Alp», erhebt massive Vorwürfe an die Adresse des Bündner Heimatschutzes. Dieser lässt im Einverständnis der Gemeinde und der erwähnten Kommission von einem renomierten Architekturbüro in Chur auf seine Kosten einen Prototypen für eine mögliche Alphütte sowie ein Geländemodell der Alp erstellen.

Gemeinde und Kommission haben die Möglichkeit erhalten, auch Leute von ihrer Seite in die Ausarbeitung des Projekts einzubinden, wovon sie engagiert Gebrauch machen. Dem Bündner Heimatschutz geht es in keiner Weise darum, den Wiederaufbau der Wiesner Alp zu torpediern, sondern eine möglichst optimale Lösung - unter Einbezug der Betroffenen - zu suchen. Er wird dabei unterstützt durch die Denkmalpflege und das Amt für Raumentwicklung. Letzteres macht die Zustimmung für den geplanten Wiederaufbau der Alphütten an anderen Standorten explizit von der Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz abhängig.

Der Grund dafür, dass sich der Heimatschutz in den Wiederaufbau einmischt, ist die einmalige Bedeutung der Wiesner Alp. Abgebrannt ist ein Alpkulturgut von ausserordentlichem Wert. Es handelte sich um eine homogene Gruppierung von jahrhundertealten Sennhütten mit Stall- und Heuteil, die nach einem einheitlichen Muster aufgebaut waren. Der Heimatschutz ist der Auffassung, dass eine «Kopie» der abgebrannten Hütten - die letztlich nie mehr als eine verfälschende Annäherung an das Zerstörte sein kann - nicht zu einem befriedigenden Resultat führe.

Die historischen Hütten waren funktionell durchdacht und ausgerichtet auf die Bedürfnisse der damaligen Alpwirtschaft. Die Besitzer haben keine Kühe mehr und bauen eine Hütte für die Zukunft. Es muss versucht werden, den Charakter der verlorenen Hütten in die Gegenwart zu übertragen. Dabei sollen die neuen Hütten sich in die Gemeinschaft der erhaltenen Bauten unaufdringlich einordnen und deren Schlichtheit mit einer sinnvoll neuen Sprache übernehemen. Diego Giovanoli verwendete dafür folgendes Bild: «Wir ersetzen die Alphütte der Urgrossmutter mit einer Hütte für den Enkel.»

Ob man eine «Kopie» oder eine Neuinterpretation der zerstörten Bauten anstreben soll, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Hingegen sind wir der Auffassung, dass es nicht angeht, etwas zu verurteilen, bevor man überhaupt weiss, was es ist. Das war auch der Tenor der meisten Hüttenbesitzer amläslich einer Orientierungsversammlung, die am 16. März 2008 stattgefunden hat. Der Prototyp wird von vielen mit Spannung erwartet.
Die Arbeit wird Anfang Mai in Wiesen vorgestellt und öffentlich diskutiert. Anzufügen ist, dass schliesslich alle Stimmberechtigten die Gelegenheit erhalten werden, im Rahmen einer Gemeindeversammlung über die neuen Hüttenstandorte einerseits und die Gestaltungsvorschläge, die den neuen Hütten zugrunde gelegt werden, andererseits abzustimmen.

Gemeinde Wiesen, Kommission für einen sinnvollen Wiederaufbau der Wiesner Alp, Bündner Heimatschutz



Davoser Zeitung14.04.2008,  Hans Zimmermann
Wiederaufbau der Wiesner Alp: Wer torpediert nun wen und was?
Ein halbseitiges Inserat in der «Südostschweiz» sorgt für helle Aufregung in Wiesen

Eigentlich war alles aufgegleist mit dem Wiederaufbau der Wiesner Alp nach dem verheerenden Brand. Im Mai nach der Schneeschmelze hätte mit den Arbeiten begonnen werden sollen. Hätte. Wenn sich da nicht ein «Komitee» gebildet hätte, welches es wohl fertigbringen wird, den Baubeginn zu verzögern.

Wie gesagt: Es war alles auf bestem Weg. Die Wiesner sind nach dem Brand nicht verzagt. Haben sofort nach dem ersten Schock beschlossen: «Jetzt erst recht: Wir bauen wieder auf.» So hat sich unter der Führung von Gemeindepräsident Reto Dürst rasch ein offizielles Komitee gebildet, dem vor allem auch geschädigte Hüttenbesitzer angehören. Ziel des Komitees war es, rasch abzuklären, welche gesetzlichen Vorgaben und Modalitäten abzuklären seien, damit ein Wiederaufbau möglichst rasch und zügig an die Hand genommen werden könne. Klar war dabei, dass die Gebäudeversicherung ein gewichtiges Wort mitreden würde, ebenso die Denkmalpflege. Es schien dem Komitee auch sinnvoll, den Bündner Heimatschutz zumindest informativ zu involvieren, genauso wie die Schweizerische Berghilfe. Zu jedem Zeitpunkt in dieser Planungsphase war allen klar, dass letztlich die Gemeinde und die Geschädigten – und nur die Gemeinde und die Geschädigten über das Wie des Wiederaufbaus bestimmen würden.

Der Stein des Anstosses
Klar war von allem Anfang an: Die Brandversicherung würde es nicht zulassen, dass alle 14 verbrannten Hütten am ursprünglichen Standort wieder aufgebaut würden. Die Abstände zwischen den Rundholzbauten im Walserstil waren zu gering. Somit musste auf «Bauen im Hofstattrecht» verzichtet werden – es sei denn, man hätte beschlossen, die Holzhütten durch gemauerte zu ersetzen. Genau dies wollte man nicht. So kam man mit den geschädigten Besitzern überein, einen Teil der zerstörten Hütten an einem neuen Standort, etwas dezentralisiert wieder aufzubauen. Noch nicht beschlossen ist, ob dieser Wiederaufbau im «Ballenberg-Stil» erfolgen soll, oder ob die neuen Hütten «zeitgemäss und angepasst» sein sollen. Jedenfalls wurde die Planung einer «Musterhütte» in Auftrag gegeben, damit ersichtlich werde, wie sich das aufs Gesamtbild auswirken würde. Hier nun wurde der Bündner Heimatschutz tätig und liess auf seine eigenen Kosten einen Prototypen für eine mögliche Alphütte sowie ein Modell der Alp als solcher erstellen. So weit, so gut.

Das verheerende Inserat
Gegen dieses Vorgehen der Gemeinde wehrt sich nun ein Komitee «Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil – Heimatschutz so nicht!» mit Händen und Füssen. In einem halbseitigen Inserat in der «Südostschweiz» vom Freitag griff das «Komitee Wiederaufbau Wiesner Alp im Walserstil» vor allem den Bündner Heimatschutz massiv an, indem es feststellt, der Heimatschutz torpediere den Wiederaufbau der Wiesner Alp. Ausser dem Inserat wurde auch ein dickes Rundschreiben breit in der Gemeinde gestreut, welches schlimmste Horrorszenarien an die Wand malt. Gegen Jürg Ragettli, Präsident des Heimatschutzes, drohte das «Komitee» gar mit einer Strafklage.

Gemeinde bleibt gelassen
Natürlich musste die Gemeinde auf diese Anwürfe reagieren, und sie tat dies auch mit einem Rundschreiben vom Samstag an die Bevölkerung. Dasselbe ist gelassen gehalten, stellt aber unmissverständlich fest, dass es dem Heimatschutz nicht darum gehe, einen Wiederaufbau zu torpedieren, sondern vielmehr gemeinsam optimale Lösungen zu finden. Doch ebenso deutlich stellt die Gemeinde fest, dass es nicht angehe, etwas zu verurteilen, bevor man wisse, um was es sich handle. Jedenfalls erwarte man seitens der Gemeinde auch den «Prototyp der neuen Hütte» auf den Mai mit Spannung und werde dann demokratisch und in Ruhe abstimmen. Reto Dürst gibt indessen zu: «Verzögerungen und damit Verteuerungen sind wahrscheinlich.»

 






 
 

 
 
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Letzte Aktualisierung
11:33:33 17.06.2008
 
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