Die Tradition weiterführen, neue Werte schaffen
Der Bündner Heimatschutz hat gemeinsam mit betroffenen Eigentümern, der Gemeinde und den zuständigen kantonalen Behörden eine Studie für den Wiederaufbau der Wiesner Alp erarbeiten lassen. Die Studie soll aufzeigen, wie mit dem Wiederaufbau alte bauliche Eigenheiten fortsetzt und neue Qualitäten gestalten werden können. Trotz neuer Standorte der Hütten soll wieder eine einheitliche Siedlungsstruktur entstehen. Die Studie schlägt einen neuen einheitlichen Hüttentyp vor, der die traditionelle Bauform respektiert, aber auch auf die neue Situation und Nutzung der Hütten reagiert. Die Präsentation der Studie führte zu intensiven und emotionalen Diskussionen, wie das zukünftige Bild der Siedlung aussehen soll. Eine Mehrheit der Eigentümer lehnte die vorgeschlagene neue Architektur der Hütten ab; zustimmende Kommentare waren in der Minderheit.
Ausgangslage der Studie
Eine Brandkatastrophe hat auf der Wiesener Alp 14 der etwa 40 Hütten zerstört. Es handelt sich um eine der bedeutendsten und schönsten Alpsiedlungen im Kanton. Wie in einem solch aussergewöhnlichen Fall der Wiederaufbau in einer Erhaltungszone geschehen soll, ist eine emotionale Angelegenheit und auch eine rechtlich und baulich delikate Frage. Grundsätzlich ist in einer Erhaltungszone nur der Wiederaufbau im Hofstattrecht an gleicher Stelle und in gleicher Form erlaubt.
Die Wiederherstellung der ursprünglichen, sehr dichten Struktur der Siedlung mit nahe aneinander stehenden Holzhütten ist nur möglich, wenn beim Wiederaufbau neuzeitliche Bestimmungen der Feuerpolizei eingehalten werden. An ihrem ursprünglichen Standort ist deshalb der Wiederaufbau der Hütten nur mit baulichen Brandschutzmassnahmen realisierbar.
Die betroffenen Eigentümer, die Gemeinde und die zuständigen kantonalen Behörden einigten sich deshalb auf eine sogenannte «Aussiedlungsvariante», die mit neuen Standorten eine Verdünnung der «Siedlungsstruktur» zur Folge haben wird. Da man sich damit nicht mehr an das in der Erhaltungszone verbindliche Hofstattrecht halten würde, knüpften das Kantonale Amt für Raumentwicklung und die Denkmalpflege ein solches Vorgehen an eine siedlungsbaulich und architektonisch qualitätsvolle Lösung. Der Bündner Heimatschutz bot allen Beteiligten Hand, eine solche Lösung gemeinsam zu erarbeiten. Im Auftrag des Bündner Heimatschutzes erarbeitete das Architekturbüro Bearth & Deplazes eine Studie für den Wiederaufbau der Wiesner Alp.
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Situation vor dem Brand (1), Vorschlag der Kommission (2) und Vorschlag der Studie (3)
Wie wird die Alpsiedlung in Zukunft aussehen?
Die Mehrheit der geschädigten Besitzer befürchtet, dass das alte Bild der Siedlung verloren gehe. Sie erwarten, dass die wieder aufgebauten Hütten so wie die ehemaligen aussehen werden.
Der Bündner Heimatschutz mahnt, dass mit der verstreuten Anordnung der Hütten an neuen Standorten und der schlechten Kopie der früheren Bauweise die Alpsiedlung zu einem unglaubwürdigen Abbild der ursprünglichen baulichen Erscheinung verkomme. Nach seiner Meinung macht es keinen Sinn, die früheren Stallbauten für Tiere und Heu oberflächlich zu rekonstruieren und dabei gleich ihren Umbau miteinzuplanen. Die Studie schlägt deshalb einen einheitlichen neuen Hüttentyp vor, der sowohl in der Tradition der Holzbauweise steht und auch die neue Funktion der Hütten als Ferien- und Wochenendrefugium mit berücksichtigt. Die Präzisierung der Standorte führt dazu, dass die Siedlung trotz der geringeren Dichte wieder ein gesamtheitliches Ensemble bildet.
Wiederaufbauten in Graubünden als grosse kulturelle Leistungen
In Graubünden war in der Vergangenheit der Wiederaufbau von durch Brände zerstörten Ortschaften oft auch Anlass für neu angelegte Siedlungen. Heute noch zeugen davon Neuplanungen und Gestaltungen von hoher architektonischer Qualität zum Beispiel in Sent, Lavin, Zernez, Tersnaus, Thusis, Felsberg und etlichen weiteren Ortschaften. Sie erinnern an die tragischen Katastrophen und zeugen auch von der Tatkraft wie dem kulturellen Willen für den Wiederaufbau. Der Bündner Heimatschutz engagiert sich in diesem Geist.
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