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Kulturraum Viamala

Mit der Eröffnung des zweiten Traversinerstegs im Herbst 2005 ist der Fussweg durch die Viamala wieder durchgehend begehbar. Nachdem im Jahre 1999 ein Felssturz den Vorgängerbau zerstört hatte, war die Querung des Traversiner Tobels zu einem mühevollen Hindernis geworden. Der «Kulturraum Viamala» ist mit der einzigartigen Brückenkonstruktion als hängende Treppe des Ingenieurbüros Conzett Bronzini Gartmann um eine Attraktion reicher geworden. Der Bündner Heimatschutz hat das Bauvorhaben mit 15'000 Franken unterstützt.
Der 1992 gegründete Verein «Kulturraum Viamala» hat sich als Aufgabe gestellt, dieses Gebiet mit seinen zahlreichen historischen, landschaftlichen und baulichen Denkmälern durch den Wiederaufbau des alten Saumweges als sogenanntes Ecomuseums zu erschliessen und damit die Identifikation mit dem Kulturraum zu fördern. Als Anerkennung seiner grossartigen kulturellen und planerischen Arbeit.hat der Verein im Jahre 2000 den Schweizer Heimatschutzpreis erhalten.
 
Hängende Treppe als Seilfachwerk
Die Brücken der Ingenieure Conzett, Bronzini, Gartmann schliessen an neuralgischen Stellen den Wanderweg zwischen Thusis und Zillis zusammen. Die unterschiedliche Materialisierung der Brücken in Holz und in Stein soll den Übergang von den Holzbauten des Nordens zu den Plattenwegen und Steinbauten des Südens anzeigen. Der 1996 erstellte erste Traversinersteg wurde schon drei Jahre später durch einen winterlichen Steinschlag zerstört. Die neue Überquerung des seitlichen Tobels wurde weiter talauswärts an eine sichere Stelle verlegt. Dort fällt allerdings die felsige Nordflanke fast senkrecht etwa 70 Meter bis zum Bachbett ab und zwischen den Auflagerbereichen besteht ein Höhenunterschied von 22 Metern. Der zweite Traversinersteg überwindet diese schwierigen topographischen Verhältnisse mit der einzigartigen Brückenform als hängende Treppe. Die Konstruktion ist ein vorgespanntes Seilfachwerk. Die Spannweite der Hauptseile beträgt 95 m; in der Schräge gemessen überspannt die Brücke 62 m. Die betonierten Widerlager stehen auf natürlich vorgegebenem Geländekuppen. Die Pfeiler des nördlichen oberen Widerlagers bilden einen torartigen Einstieg in die Brücke. Der Steg hängt an gekreuzt angeordneten Hängeseilen. Die ausgeklügelte Geometrie des Fachwerknetzes bewirkt die gleichmässige Verteilung der Kräfte. An den Hängeseilen sind im Abstand von 3,60 m Stahlquerträger befestigt. Die darauf liegenden Brettschichtholzbalken aus Lärche wirken als bogenförmiger Untergurt des Seilfachwerkes und zusammen mit den Verstrebungen unter dem Gehweg als Windverband. Darauf befestigt ist die etwa 1 Meter breite Treppe mit 176 Stufen aus Föhre. Die Bogenform hat zur Folge, dass die Steigung der Treppe sich kontinuierlich ändert. Die seitlichen Balken verhindern den senkrechten Blick in die Tiefe und vermitteln beim Begehen ein Gefühl der Sicherheit. Einzelne Bauteile sind mit mehr oder weniger Aufwand auswechselbar.
 
Dramatisches Natur- und Architekturerlebnis
Mit der einzigartigen Brückenkonstruktion wird ein eindrückliches, für manchen Wanderer gar dramatisches Natur- und Architekturerlebnis geschaffen. Die Qualität des Bauwerks reicht aber über diese Inszenierung von Landschaft weit hinaus; es zeigt eine innige Verbindung von Baukunst, Landschaft und Natur. Die elementare Bauform und Konstruktion der Brücke sind mit einer tiefen Sensibilität für landschaftliche und topographische Gegebenheiten aus den spezifischen Bedingungen des Ortes und der Funktion heraus entwickelt und mit einer akribischen Sorgfalt bis ins Detail gestaltet. In ihrer konstruktiven Klarheit und Unmittelbarkeit, erfinderischen Raffinesse und gestalterischen Feinheit wird der magische Ort «Viamala» auf neue einzigartige Art erlebbar.

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Letzte Aktualisierung
20:34:31 27.05.2011
 
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