Insgesamt 60 neue Wohnungen sollen im Herzen von Surcolm enstehen, 20 Erstwohnung und 40 bewirtschaftete Zweitwohnungen mit insgesamt 150 'warmen Betten'. Verteilt auf drei Blöcke, wie es sie in praktisch identischer Art bereits in Schiers gibt – entworfen vom selben Architekturbüro und errichtet von demselben Treuhandbüro, das nun auch in Surcuolm als Projektentwickler und Investor auftritt. Das Land inmitten von Surcuolm gehört der Gemeinde. Deren Vertreter sind offenbar gewillt, ihren Dorfplatz mitsamt dem schutzwürdigen Alten Schulhaus der Immobilienspekulation zu opfern. Schliesslich erhält die Gemeinde damit an zentraler Stelle einen überdeckten Postauto-Wendeplatz!
Gewiss: Die Gestaltung des Surcuolmer Zentrums hat Luft nach oben. Aber mit dem vorgeschlagenen Projekt würde der Dorfplatz keine Aufwertung, sondern, im Gegenteil, eine dramatische Abwertung erfahren. Denn die Realisierung der banalen Allerweltsüberbauung kame einer Zerstörung des Ortsbildes gleich. Kein Wunder also, dass sich bei den Ein- und Zweitheimischen der Widerstand gegen das schockierende Bauvorhaben regt. Eine, die sich stark gegen die gravierende Verunstaltung des Siedlungskerns wehrt, ist Irene Schneider. Sie war Präsidentin der Gemeinde Mundaun, bevor sich diese 2016 mit Obersaxen zusammentat. «Wir fragen uns: Wie kommt eine Gemeinde dazu, so ein Projekt überhaupt entgegenzunehmen?» Mit ihrer Verwunderung ist sie nicht nicht allein.
Ein Bauprojekt mitten im Dorf sorgt für Aufruhr in Surcuolm
Bericht vom 12. März 2026
Das Projekt bedingt eine Teilrevision der Ortsplanung, die ihrerseits vom Volk angenommen und später auch von der Bündner Regierung genehmigt werden muss. Die Teilrevision hatte es bereits in der kantonalen Vorprüfung schwer. Im Rahmen der Mitwirkungsauflage hat sich auch der Bündner Heimatschutz mit einer umfangreichen Stellungnahme äusserst kritisch dazu geäussert – und die Zurückweisung des Vorhabens beantragt: «Ein Weiterbauen auf Parzelle-Nr. 5037 ist natürlich möglich und zur Aufwertung des Ortskerns von Surcuolm auch durchaus angezeigt. Ziel müsste allerdings eine nachhaltige Planung sein, welche die Identität des Ortes stärkt und das, was an Erhaltenswertem noch vorhanden ist, nicht zerstört sondern vielmehr in Wert zu setzen versteht. Wir empfehlen, die Zentrumsentwicklung neu aufzugleisen und hierfür ein qualitätssicherndes Verfahren sicherzustellen.»
Heimatschutz lässt kein gutes Haar an Surcuolmer Bauprojekt / Heimatschutz hält Projekt in Surcuolm für rechtswidrig / Der Versuch ein Bergdorf zu zerstören
Berichte und Leitartikel in der Ausgabe vom 21. März 2026
Aller grundsätzlicher Kritik zum Trotz hält der Gemeindevorstand an der Teilrevision fest, wie er den Bündner Heimatschutz in seiner Antwort auf die Mitwirkungseingaben wissen liess. Er habe sich «intensiv mit der Interessenabwägung zwischen bestehendem Ortsbild, Struktur und Bautypologie sowie touristischer Weiterentwicklung, Umnutzung von nicht mehr genutzten gemeindeeigenen Liegenschaften, Belebung von Dorfzentren und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Einheimische auseinandergesetzt. Nach eingehender Auseinandersetzung ist er zum Schluss gekommen, dass die vorgesehene Zentrumsentwicklung Surcuolm höher zu gewichten ist, als die zum Teil nachvollziehbaren Herleitungen des Antragstellers.»
Der ganz offensichtlichen Rechtswidrigkeit des Vorhabens gedenkt man ganz pragmatisch zu begegnen: mit Anpassungen im Baugesetz!
Die beschussfassende Gemeindeversammlung zur Teilrevision der Ortsplanung findet am 28. August 2026 statt.
Gemeinde treibt das Projekt für die Dorfmitte von Surcuolm weiter voran
Bericht vom 1. Juni 2026