Drucken

Baukulturelle Sensibilisierungsaktion

Um für das baukulturelle Erbe der jüngeren und jüngsten Vergangenheit zu sensibilisieren, lancierte der Bündner Heimatschutz Anfang November 2019 eine Kampagne im Kalenderformat. Für die Dauer eines Jahres wurde auf der Website www.52bestebauten.ch im Wochentakt ein herausragendes Bauwerk aus der Zeit zwischen 1950 und 2000 in Wort und Bild vorgestellt. Mit der Aktion wollte der BHS für das baukulturelle Erbe der jüngeren und jüngsten Vergangenheit sensibilisieren. Ziel war es, den wichtigen Bauzeugnissen der jüngeren und jüngsten Vergangenheit mehr Gewicht zu verleihen und in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für deren Schutz und einen respektvollen Umgang zu stärken.

Wertschätzung gefragt
Mehr noch als die Baudenkmäler älterer Epochen sind die bedeutenden Bauten der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bedroht, sei's durch unbedachte Erneuerung oder gar blinde Zerstörung. Allgemein fällt es immer noch schwer, den von Bauspekulation geprägten Jahrzehnten in baukultureller Hinsicht Positives abzuringen. Doch auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bauwerke sind Werke von hohem baukünstlerischem Anspruch entstanden. Sie prägen unsere Identität genauso wie die Denkmäler früherer Epochen. Es tut Not, dieses junge Baukulturerbe in den Fokus zu stellen und dessen gesellschaftlichen Wert zu diskutieren. Nur so lässt sich verhindern, dass die identitätsstiftenden Werke zweier Generationen sukzessive ausradiert werden.

Eine repräsentative Auswahl
Die Gesamtheit der auf www.52bestebauten.ch präsentierten Objekte stellt ausschnitthaft eine Bilanz der Bündner Baukultur der fokussierten Zeit dar, die sich selbstverständlich nicht in 52 Bauten erschöpft. Die Auswahl versteht sich explizit nicht als umfassendes Verzeichnis aller erhaltenswerten Bauten. Ein solches zu erarbeiten obliegt letztlich der öffentlichen Hand.
Ausgewählt wurden die Objekte von einer dreiköpfigen Kommission von Architekturhistorikern, die als Experten auf dem Gebiet der jüngeren Baukultur über eine hohe fachliche Autorität verfügen und aufgrund ihrer neutralen Stellung im Architekturbetrieb die grösstmögliche Unbefangenheit garantieren: Leza Dosch, Carmelia Maissen und Michael Hanak.

Newsletter, Social media und Rahmenprogramm
Jeden Freitag wurde per Newsletter auf das neu aufgeschaltete Objekt hingewiesen. Im Laufe des Jahres haben rund 800 Interessierte den Newsletter bestellt. Zudem wurden die vorgestellten Bauwerke über alle relevanten Social-Media-Kanäle beworben. Auch die regionalen Medien haben den Ball aufgenommen; zahlreiche Bautenporträts wurden in der Südostschweiz, der Engadiner Post und der Quotidiana präsentiert. So blieb die Kampagne auch ausserhalb der interessierten Fachkreise in der breiten Öffentlichkeit stets präsent. Das Echo auf unsere Aktion war gross und durchwegs positiv. Die Kampagne gilt inzwischen über die Kantonsgrenzen hinaus als Leuchtturmprojekt in der Vermittlung von Baukultur.

In deren Rahmen fanden, teils in Kooperation mit anderen Institutionen, verschiedenartige Anlässe statt: Gesprächsrunden, Referate, Führungen. Unter dem Titel «Architektur vor Ort» boten wir in Zusammenarbeit mit Hochparterre Wandern zudem diverse Architekturwanderungen an. Mit dem Begleitprogramm konnten wir gewisse Aspekte näher ausleuchten und das Bild über die Baukultur der jüngsten und jüngeren Vergangenheit weiter verdichten.
Leider fielen einige Veranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer. Die nicht durchgeführten Anlässe sollen 2021 nachgeholt werden (>Rahmenprogramm).

«Architektur vor Ort» – das Buch
Zum Ende der Kampagne erscheint Ende Oktober in der Edition Hochparterre ein Buch, das alle 52 Bauten-Porträts vereint und – als Mehrwert zur Website – um ein Kapitel zur Architekturlandschaft Graubündens in der Zeit zwischen 1950 und 2000 und einen Beitrag über den denkmalpflegerischen Umgang mit Baudenkmälern, die von der Gesellschaft als solche noch nicht anerkannt sind, angreichert ist (>Buchflyer).

Das Buch zur Kampagne

Die wöchentlichen Kalenderblätter auf www.52bestebauten.ch sind abgeschlossen. Ende Oktober 2020 erscheint in der Edition Hochparterre die >Kampagnenpublikation. Die Veranstaltung anlässlich der Buchpräsentation musste Corona-bedingt vorderhand abgesagt werden. Sie wird zu einem geeigneten Zeitpunkt 2021 nachgeholt (>Programm).